Der Entscheidungstester

05.01.2019

Ich sitze im Cabana (Jo arbeitet ja hier) wie so oft in den vergangenen Tagen. Die Kinder sind im Pool und lassen sich bespassen und ich hab Zeit euch etwas über meine Angst in den letzten Wochen zu schreiben.

Am 22.12.2018 ist ja der Vulkan Krakatau Anak ausgebrochen und ein Erdrutsch hat eine kleine Tsunamiwelle ausgelöst. Klein ist relativ, es sind um die 500 Menschen gestorben und zig mehr verletzt worden. Jo is am 25.12. morgens nach Jakarta aufgebrochen und in der Nacht zum 26.12. hat es nachts ziemlich gerumst, dreimal um genau zu sein. Ich hatte solche Geräusche schon mal gehört und hab ihnen nicht besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt, weil ich mit meinem Telefon beschäftigt war. Ich war nämlich nicht erreichbar. Ich konnte mich nicht ins Netz einloggen und wenn es geklappt hat, dann flog ich innerhalb ein oder zwei Sekunden wieder raus. Irgendwann habe ich es dann aufgegeben und bin eingeschlafen. Am nächsten morgen auf dem Markt beim einkaufen erreichte Jo mich endlich und meinte, er hätte mich die halbe Nacht versucht mich zu erreichen, ich solle Sachen packen und mich auf eine Evakuierung einstellen, der Vulkan hätte wieder gespuckt. Ok.

Erst auf dem Heimweg sackte das Gesagte dann so langsam durch und als ich ankam, ergriff mich doch irgendwie sowas wie Panik und ich raffte das Wichtigste zusammen und verfrachtete es im Auto. In dem Moment, wo ich mit einem Bein schon im Auto stand, kam der Deutsche aus Krui zu Besuch und nach einer halben Stunde reden, beruhigte ich mich etwas. Ein wenig gelassener verliess ich trotzdem unser Dorf, Tippi mit an Board. Alle anderen Tiere blieben zurück. Wir fuhren zum Flughafen in Krui den Jo uns genannt hatte, uns den Platz für die Nacht anschauen, und verbrachten den Rest des Tages im Palmbeach, was 5 min von unserem sicheren Platz entfernt war.

Gut schlafen ist was anderes, aber wir haben es überlebt und am nächsten Tag fuhren wir, nachdem wir den Vormittag nochmal im Palm Beach abgehangen haben, leicht müde heim.
Die armen Hühner, der Kater, alle haben sich gefreut als wir wieder da waren. Aber so recht wohl fühlte ich mich nicht. Jo sollte am Abend wieder daheim sein, das war zumindest ein Lichtblick und ich hatte alle meine Simkarten in Gang gebracht, damit ich zumindest erreichtbar war, um gewarnt werden zu können.
Ich kümmertte mich ums Auto, baute ein Bett rein und packte noch fehlende Dinge hinzu, damit war ich genug beschäftigt, um die in dem Moment unerträgliche Stille des Dorfes intensiver wahr zu nehmen und den Stimmchen in meinem Kopf zu zu hören.

Dann war Jo wieder da und nachdem ich mit ihm gesprochen hatte, entspannte ich mich weiter, aber allein daheim sein, wollte ich trotzdem nicht, alleine für das Überleben der Kinder zu ständig zu sein, in einer mir zwar bekannten aber doch so fremden Welt, war nicht erträglich. So kam es, dass wir jeden Tag des restlichen Jahres im Cabana abhingen. Abhingen nun auch nicht wirklich, denn ich hatte mich selbst zur Gartenarbeit verdonnert. Das Areal ums Restaurant war für mich eine Entehrung des restlichen Anwesens und da bot ich an, was dankend angenommen wurde, mich ein wenig darum zu kümmern.

Und ja, es hat sich noch keiner beschwert über meine kreativen Ausbrüche, die mich auch irgendwie weiter abgelenkt haben. Und dann kam der Tag, wo ich ein paar Pflanzen alleine holte und ich mit Moped durch die Landschaft fuhr. “Man is das schön hier” ging es mir da durch den Kopf “zum sterben schön” kam gleich hinterher und wieder einmal liefen mir ein paar Tränen über die Wangen, wie so oft in den Tagen zuvor..

Ja und nun sitze ich hier, die Sonne scheint, der Schreck sitzt noch in den Knochen und trotzdem will ich hier nicht weg. Ich würd schon gern weg von der Gefahr, aber irgendwie bin ich gefangen in meiner Liebe zu diesem Fleckchen Erde hier, auch wenn die Entscheidung zu bauen gerade mal wieder etwas wackelig ist.

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